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Rüspel und der Dorfwettbewerb

Ein Beitrag von Baudirektor a.D. Ulrich Nickel zur Dorfchronik Rüspel aus dem Jahr 1998

 

Zum Dorfwettbewerb im Landkreis Rotenburg (Wümme)

Im Jahre 1961 wurde in der Bundesrepublik Deutschland erstmals der von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft initiierte, von anderen Institutionen unterstützte und unter der Schirmherrschaft des Bundeslandwirtschaftsministeriums stehende Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden” durchgeführt. Es handelte sich damals in hohem Maße um einen Schönheitswettbewerb der Dörfer, in dem es deshalb vor allem um Blumen, Grün und insge­samt um gut gepflegte oder ganz einfach schöne Dörfer ging.

Die seinerzeit noch selbständigen und erst seit der Kreisreform von 1977 den Landkreis Rotenburg bildenden Altkreise Bremervörde und Rotenburg befassten sich bereits 1961 (Rotenburg) bzw. 1963 (Bremervörde) mit diesem Thema, führen also fast genauso lange jährliche Kreiswettbewerbe durch.

Die bemerkenswertesten Erfolge der ersten 12 Jahre waren neben einem guten Dutzend Teilnahmen an den alle 2 Jahre durchgeführten Landeswettbewerben die Erfolge dreier Dörfer im entsprechenden Bundeswettbewerb:

  • Wilstedt (Samtgemeinde Tarmstedt) gewann bereits 1961 als Einzelkämpfer und ohne entsprechenden Kreiswettbewerb eine Silberplakette sowie
  • Klein Meckelsen (Samtgemeinde Sittensen) 1971 und
  • Clüversborstel (Samtgemeinde Sottrum) 1973 jeweils eine Goldplakette
Gleichzeitig wurden die beiden Altkreise von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft für die engagierte und vorbildliche Durchführung dieser Aktion auf Kreisebene bundesweit lobend herausgestellt

 

Rüspel und die Wettbewerbe der 70er Jahre

Als Bürgermeister Lühmann am 09. Februar 1970 sein kleines Dorf Rüspel zum ersten Mal zu einem Kreiswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden” anmeldete, hatte der Ort im Vergleich zu heute noch ein erheblich anderes Aussehen und sicher auch ein anderes Image. Rüspel war damals ein eher abseits gelegenes kleines Bauerndörfchen, das ein recht gutes Vereinsleben und einen Gasthof mit beachtlich großem Saal besaß, ansonsten aber nicht besonders reden von sich machte. Sicher, es gab im Ort eine stattliche Zahl von Hofeichenbeständen, aber wie in anderen Dörfern auch eine Fülle baulicher Missstände, recht dürftig bepflanzter Gärten und unaufgeräumter Ecken.

Fast 8 Monate später, am 08. Oktober des gleichen Jahres, kam dann für Rüspel mit der ersten Erstbesichtigung in einem Kreiswettbewerb der Tag der Wettbewerbswahrheit: Mit dem Ausschuss des Kreises und dem zuständigen Fachmann der Kreisverwaltung, Oberbaurat Logemann, erschien auch ein Sachbearbeiter dieser Behörde, der ein viele Seiten umfassendes Protokoll fertigte. Vom Bürgermeister und einigen anderen Rüspelern begleitet, wurden rd. 50 Grundstücke besichtigt und dabei etwa 200 Anregungen zur besseren Gestaltung gegeben. Beispielsweise wur­den nicht weniger als 47 Schuppen beanstandet und in etlichen Fällen sogar ein Abbruch derselben dringend empfohlen. Ebenfalls 47 mal wurde der Zustand von Zäunen kritisiert und 15 mal dafür plädiert, diese doch möglichst ganz wegzunehmen. 24 mal hieß es, dass Grundstücke aufzuräumen seien und oftmals sollte das ausdrücklich gründlich geschehen. Des Weiteren wurde von der Kommission vorgeschlagen, Gebäuderuinen und Schuppenanhänge zu entfernen, Reklameschilder zu beseitigen, Autowracks verschwinden zu lassen, Autoreifen beiseite zu schaffen, bunte Zäune schlichter zu gestalten, Misten und Hofecken zu bepflanzen und möglichst auch ein Außenabort „wegzunehmen”. Die Umsetzung all dieser Empfehlungen in einem einzigen Wettbewerb waren dem Dorf denn wohl doch ein bisschen zu viel auf einmal; man bewältigte bis zur Schlussbesichtigung ein halbes Jahr später nur einen Teil dieser Aufgaben und wurde deshalb auch nur Fünfter.

Entmutigen ließ man sich dadurch aber nicht, denn schon im Jahre 1973, also nur 2 Jahre später, nahm Rüspel erneut am Wettbewerb teil und erzielte in der Gruppe der „Kleinen” (Dörfer mit geringer Einwohnerzahl) den kaum erhofften 1. Platz.

Nachdem dann im Sommer 1974 dem Verfasser dieser Ausführungen innerhalb der Kreisverwaltung die Zuständigkeit für den Dorfwettbewerb übertragen wurde, und es damit wohl zu verschiedenen zusätzlichen Anforderungen an die Teilnehmerdörfer kam, konnte Rüspel zunächst im Jahr 1975 nur einen 2. und 1977 gar nur einen 3. Platz in seiner Gruppe erzielen. Allerdings hat es in diesem kleinen Dorf nie Resignation oder ein Hadern mit der Kom­mission des Kreises gegeben, und so war man schon 1978 wieder dabei und erkämpfte sich erneut einen überzeugenden 1. Platz. Damit war der berühmte Knoten in diesem Dorf endgültig geplatzt. Der Ort wurde wegen der Vielzahl durchgeführter Verbesserungen vom Kreis für den Bezirkswettbewerb im Jahre 1979 vorgeschlagen, gewann diesen Wettbewerb im Frühsommer 1979, wurde im gleichen Sommer mit deutlichem Vorsprung Sieger im Lan­deswettbewerb und schon im Spätsommer dieses Jahres Golddorf im Bundeswettbewerb. Das ganze war, wie vier Jahre zuvor bei Godenstedt, fast eine Siegesserie wie im Rausch, denn der Erfolg in einem Wettbewerb war gleichzeitig ein Ansporn für noch bessere Leistungen auf der nächsthöheren Wettbewerbsebene.

Das gut erhaltene Löhmoor war schon in den Wettbewerben der 70 Jahre von beachtlicher Bedeutung.

Es erscheint mir unmöglich, an dieser Stelle die Vielzahl der sich über Jahre erstreckenden, für die Erfolge in den Wettbewerben durchaus bedeutsamen Aktivitäten zur Dorfverschönerung und -entwicklung in Rüspel umfassend darzustellen. Stattdessen sollen nur die wich­tigsten Leistungen der Dorfgemeinschaft und die damit untrennbar in Verbindung stehenden Verbesserungen vor allem der Ortsbildqualität angesprochen werden. Charakteristisch ist zunächst die nahezu durchgehend lockere Bebauung eines 1979 mit 17 landwirtschaftlichen Vollerwerbs- und 15 Nebenerwerbsbetrieben noch stark landwirtschaftlich geprägten Dorfes. Obwohl der Ort auch in dieser Zeit nur noch wenig historisch wertvolle Bausubstanz besaß, wurde ihm von der Landes- und Bundesbewertungskommission ein baulich harmonisches und homogenes Erscheinungsbild bescheinigt. Hierzu haben insbesondere die vielen roten Backsteingebäude oder die gezielte Verwendung von Holz in braunem oder grünem Anstrich beigetragen. Als kennzeichnend und positiv wurden daneben die zahlreichen Eichen- oder sonstigen Baumbestände sowie die sich zwischen Häusern, Höfen und Straßen weitläufig hinziehenden gepflegten Grasflächen bezeichnet. Sie gaben dem Ort gerade damals eine als angenehm und ruhig empfundene Klarheit und Geschlossenheit. Unübersehbar war für die genannten Kommissionen weiterhin der auffallend durchgängige und gute Pflegezustand der privaten und öffentlichen Grünbereiche. Aber auch die Pflege und ergänzende Begrünung des Ortsrandes und verschiedener Bereiche in der Gemarkung sind seinerzeit positiv aufgefallen. Einzig und allein das nach Auffassung der Fachleute fast zur Ideologie gewordene Beseitigen der für ein Dorf im Grunde typischen Zäune und die so zahlreiche Verwendung von standortfremden und steif wirkenden Fichten und anderer Koniferen waren Punkte der Kritik. Dass der hervorragende Gesamteindruck des Ortes letztlich das Ergebnis zahlreicher sich über viele Jahre erstreckender Gestaltungsmaßnahmen einer lebendigen, das Vereinsleben intensiv pflegenden Dorfgemeinschaft gewesen ist, wurde von beiden genannten Kommissionen eindeutig erkannt und ausdrücklich gelobt.

 

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Bilder der Preisverleihung des ersten Gewinnes beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden"

 

Rüspel und die Wettbewerbe der 90er Jahre

Nach dem Gewinn der Goldplakette im Bundeswettbewerb 1979 gönnte sich Rüspel verständlicherweise eine ausgedehnte Verschnaufpause bei den nachfolgenden Kreiswettbewerben. Allerdings kann dem Ort durchaus bestätigt werden, dass er sich auch in den 80er Jahren keineswegs nur auf den errungenen Lorbeeren ausruhte, sondern ruhig und besonnen insbesondere verschiedene notwendige bauliche Maßnahmen durchführte, die sich positiv auf das Bild des Ortes und die Nutzungsmöglichkeiten für die Dorfgemeinschaft auswirkten. Dennoch waren die genannten großen Erfolge in den späten 70er Jahren den Rüspelern und dem außerordentlich aktiven örtlichen Dorfverschönerungsausschuss, aber vor allem dem nahezu als „umtriebig und dorfverschönerungsbesessenen” Vorsitzenden Willenbrock, noch nicht Leistung und Erfolg genug. So reifte etwa ab 1990 in diesem anderen Dörfern als Vorbild dienenden Golddorf die Idee, sich wieder intensiv an Kreiswettbewerben zu beteiligen und bei entsprechenden Erfolgen evtl. einige Jahre später noch einmal am Bezirks-, und wenn möglich, am Landes- und Bundeswettbewerb teilzunehmen. Ergebnis dieser Konzeption, die letztlich auf eine fast gleich große Resonanz bei der Bevölkerung stieß wie jene der 70er Jahre, waren dann zunächst drei sorgfältig vorbereitete und souverän durchgeführte Kreiswettbewerbe in den Jahren 1992, 1993 und 1995, die alle, und für die Bewertungskommission des Kreises nicht mehr überraschend, mit Siegen abgeschlossen wurden.

Einer der viele Abende, die der intensiven Vorbereitung der Dorfwettbewerbe durch den Ausschuß diente.

In diese Zeitspanne fiel auch der Versuch Rüspels, bereits 1993 mit Erfolg am Bezirkswettbewerb teilzunehmen, um auf diese Weise noch im gleichen Jahr den Landes- und Bundeswettbewerb zu erreichen. Diese Zielvorstellung hatten die Rüspeler allerdings ohne die Bewertungskommission auf Bezirksebene gemacht, die zur großen Überraschung und Enttäuschung der Rüspeler mindestens drei andere Orte des Bezirks, darunter den Ort Wilstedt aus dem Landkreis Rotenburg, für besser hielt und Rüspel nicht für den Landeswettbewerb vorschlug. Dieser Schock saß bei den Rüspelern ausgesprochen tief, und auch der Verfasser dieses Beitrages, der mittlerweile in 25 Jahren an nahezu 1.000 Ortsbesichtigungen im Landkreis und als Mitglied der Landeskommission in Niedersachsen teilgenommen hat, war zunächst fast genauso fassungslos und aufgebracht wie der Vorsitzende und die Mitglieder des Rüspeler Dorfverschönerungsausschusses. Wahrscheinlich ist es uns beiden nur aufgrund einer sehr sorgfältig geplanten und „getimeten” Seelenmassage zunächst des dörflichen Ausschusses und dann der Bevölkerung gelungen, den Rüspelern den Glauben an ihr Dorf, an dessen Ortsbildqualität und den Wert ihrer Dorfgemeinschaft wiederzugeben. Gleichwohl blieben seinerzeit Skeptiker, die auch für den nächsten Wettbewerb im Jahre 1995 kein gutes Ende für die Dorfverschönerung in Rüspel voraussahen. Sie mussten deshalb seinerzeit einfach überstimmt werden, waren als faire Verlierer letztlich dann aber doch wieder in dem sich erneut in Bewegung setzenden „Dorfverschönerungsboot”.

Nach einem Kreissieg im Jahre 1995 lief dann aber alles wie schon 1979 gehabt: Diesmal gefiel das Dorf der Bezirkskommission zur Freude der Rüspeler viel besser, der Landeswettbewerb wurde im gleichen Sommer bravourös mit einem Spitzenplatz abgeschlossen und auch die Bundesbewertungskommission (mit einer richtigen Gräfin an der Spitze) fand, dass Rüspel Gold wert sei, obwohl es bei der dreistündigen Besichtigung vom Ablauf her zu manch unvorhergesehenen Irritationen gekommen war. Besonders wichtig war bei allen Vorstellungen des Dorfes in den verschiedenen Wettbewerben aber die Vermittlung der gegenüber 1979 durchgeführten zahlreichen zusätzlichen Verbesserungen im Ort und in der freien Landschaft.

Gebietstypische Bäume und Sträucher an einem der auffallend reich begrünten Ortsausgänge von Rüspel.

Die Abschlussberichte sowohl der Landes- als auch der Bundesbewertungskommission aus dem Jahre 1995 machten denn auch besonders deutlich, dass sich Rüspel in den 16 Jahren zwischen den 79er und den 95er Wettbewerben in verschiedenster Hinsicht in erheblichem Umfang positiv weiterentwickelt hat. Viele seinerzeit gegebene Anregungen der beiden Kommissionen seien zwischenzeitlich in richtiger Weise in die Tat umgesetzt worden. Auch aus meiner Sicht wäre die Wiederholung des damaligen Landes- und Bundessieges ohne deutliche Leistungssteigerungen in einigen Bereichen und die Durchführung verschiedener neuer Maßnahmen nicht möglich gewesen. Weitgehend übereinstimmend wurden in den Berichten der Bewertungskommissionen von Land und Bund die zahlreichen von Erfolg gekrönten Bemühungen um die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der von ortstypischen Baumbeständen, weiten Grünflächen, charakteristischen ländlichen Gärten, Obstwiesen und sonstigen Freiflächen geprägten Dorfstrukturen hervorgehoben. Die zwischen ihnen liegenden Höfe und Häuser wurden als ausgesprochen gepflegt und zurückhaltend gestaltet be­zeichnet. Anerkennung fanden genauso die Bemühungen um die historische Bausubstanz und die erfolgreiche Umnutzung verschiedener älterer Gebäude. Für die Intensität der Be­mühungen um ein besseres Ortsbild sprachen nach Auffassung der Fachleute auch der Ersatz Hunderter von Koniferen durch dorftypische Bäume und Sträucher in den üppig bepflanzten, farbenfrohen Gärten, die angemessen extensive Pflege bestimmter Grünflächen, die Bewahrung und Ergänzung von Gras- und Krautbeständen als wichtiger Bestandteil des Dorfgrüns und, an den Ortsrändern, die gelungene Verzahnung von Dorf und Landschaft. Als neuer, kaum zu überschätzender Betätigungsbereich wurde die Verbesserung der ökologischen Verhältnisse in der freien Landschaft durch die Pflege und Schaffung von Lebensräumen für bedrohte Tier- und Pflanzenarten, die standortgerechte Bepflanzung von Fließ­gewässern und Wegerändern, die Erhaltung wertvoller Teile des Löhmoores u.a. Maßnahmen angesehen. Dass dies alles nur das Produkt einer seit langem außerordentlich lebendigen Dorfgemeinschaft sein konnte, stand für die Experten außer Frage.

Der Dorfgasthof als räumlicher Mittelpunkt eines besonders lebendigen Gemeinschaftslebens.

Rüspel, kein Dorf wie jedes andere!

Mit keinem anderen der rund 170 Dörfer des Landkreises Rotenburg habe ich mich im Laufe des letzten Vierteljahrhunderts gedanklich oder vor Ort agierend auch nur annähernd so oft und so intensiv befasst wie mit dem Dorf Rüspel. Das hängt natürlich mit dem besonderen Wettbewerbsgebaren dieses Dorfes zusammen, das wie kaum ein anderes oft und intensiv am Kreiswettbewerb teilgenommen hat und sich darüber hinaus mehrmals hohe Ziele für die Bezirks-, Landes- und Bundeswettbewerbe gesetzt hat. Dies erforderte in jedem Einzelfall entsprechend intensive Vorbereitungen auf diese Ereignisse. Die Rüspeler mussten allerdings nicht, wie manch anderer Ort, dazu gedrängt werden. Nein, sie, ihr Dorfverschönerungsausschuss und insbesondere dessen Vorsitzender Willenbrock, wollten dies und haben mich des öfteren bis an die Grenze der dienstlichen, aber auch privaten Belastungsfähigkeit gefordert. Nirgendwo habe ich im Laufe der Jahrzehnte so viele Lichtbildervorträge zum Dorfwettbewerb als Ganzes oder zu Teilbereichen, wie z.B. dem Dorfgrün, der Baugestaltung und der Gestaltung von Gärten, halten müssen wie in diesem Ort. Dabei sind mir gerade die Rüspeler von der ersten Begegnung im Herbst 1974 an auffallend aufgeschlossen, bescheiden und freundlich begegnet. Keine Dorfgemeinschaft im weiten Landkreis hat mich in ihrer Leistungsfähigkeit im Dorfwettbewerb mehr überzeugt als die Rüspeler. Sie haben nicht nur in der ersten Abfolge von Wettbewerben (insbesondere in der 2. Hälfte der 70er Jahre), sondern auch in der zweiten (in der 1. Hälfte der 90er Jahre) ausgesprochen aus­dauernd und mit hoher Effektivität an einem Strang gezogen. Dies hat mich im Laufe der letzten Jahre bei der Einschätzung anderer Dörfer hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit im Wettbewerb wiederholt zu der etwas kecken Mutmaßung veranlasst, dass dieser oder jener Ort bei Einsatz der Rüspeler Dorfgemeinschaft schon bald zu einem Golddorf auf Bundesebene werden könnte.

Goldplakette des Bundeswettbewerbes 1995 "Unser Dorf soll schöner werden"

Meines Erachtens waren die allermeisten jener, die in den letzten 2 Jahrzehnten meinten, sich zu Rüspel äußern zu müssen, überhaupt nicht in der Lage, die besondere Qualität und Leistung dieses Ortes im Dorfwettbewerb hinreichend zu erkennen und richtig zu würdigen. Von erheblicher Bedeutung für eine gerechte Bewertung ist dabei doch, auf welch relativ niedrigem Niveau Rüspel seinerzeit Anfang der 70er Jahre mit Maßnahmen der Dorfgestal­tung und -entwicklung begonnen hat. Wer von den Außenstehenden vermag denn in vollem Umfange zu erkennen, was sich alles im Laufe der letzten 2½ Jahrzehnte in diesem Ort verbessert hat? Man muss schon wissen, dass in Rüspel vieles von dem, was man heute für auffallend natürlich, schön, harmonisch, ländlich oder einfach dörflich hält, im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern eben nicht von den Vorfahren ererbt ist, sondern von einer ungewöhnlich fleißigen und aufgeschlossenen Dorfgemeinschaft mit viel Mühen, aber auch mit viel Freude über viele Jahre hinweg „gemacht” worden ist!

Im Dorfmittelpunkt, gegenüber vom Feuerwehrhaus, erinnert dieser Stein
an die beiden Erfolge im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden"

Welches unter vielen tausend Dörfern hat es denn bis heute, also in knapp 40 Jahren Wettbewerb, wie Rüspel geschafft, nach 1½ Jahrzehnten im Bundeswettbewerb ein zweites Mal eine Goldplakette zu erringen? Die Antwort kennen nur wenige: Außer Rüspel nur ein einziger Ort in Nordrhein-Westfalen! Und auch die Bemühungen dieses Dorfes um mehr Natur­schutz und Landschaftspflege in der freien Landschaft stehen in Niedersachsen fast beispiellos da. Dies belegt nicht nur der Sonderpreis, der dem Ort im Jahre 1993 von der Bezirksregierung Lüneburg für die Pflege, Erhaltung und Entwicklung verschiedener Lebensräume für bestimmte Tier- und Pflanzenarten zuerkannt wurde, sondern auch die diesbezüglich außerordentlich anerkennenden Ausführungen in den Berichten der Landes- und Bun­desbewertungskommission. Welches andere Dorf in Niedersachsen hat denn im Rahmen des Wettbewerbs gleichzeitig mit Erfolg einer vom Aussterben bedrohten Tierart einen neuen Lebensraum geschaffen und sie damit neu angesiedelt, Fließgewässer über eine größere Strecke standortgerecht bepflanzt und durch die Anschaffung und Haltung einer Schnuckenherde zur Erhaltung der Vegetationsform „Moor” und dort lebender bedrohter Pflanzenarten beigetragen? Oder welcher Ort hat beispielsweise durch auffälligen Verzicht auf fremd wirkende Nadelgehölzanhäufungen und die stärkere Verwendung von Ziersträu­chern und üppigen Stauden in höherem Maße überkommen dorfgemäß gestaltet?

Nein, gerade nach vielen hundert Besichtigungen im Dorfwettbewerb vermag ich diesen Ort Rüspel im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft” nicht als ein Dorf wie jedes andere zu bezeichnen. Dies ist vielmehr ein Ort, der sich seine außergewöhnlichen Wettbewerbserfolge durch lang anhaltende, harte Arbeit besonders mühsam und redlich verdienen musste! Möge es Rüspel, möge es seiner Dorfgemeinschaft, in der junge Kräfte in erfreulichem Maße die Gedanken und Ziele eines sich zeitgemäß fortentwickelnden Dorfwettbewerbs weiterzutragen bereit sind, ge­lingen, dass hier auch in ferner Zukunft Bau-, Grün- und Landschaftsgestaltung, ja, Dorfgestaltung und -entwicklung mit Weitsicht und Augenmaß betrieben werden. Mögen vor allem dort Menschen leben, die um den Wert einer guten Dorfgemeinschaft wissen, für sie zu arbeiten bereit sind und dann zu Recht damit belohnt werden, dass es sie gibt.

 

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Schon beim ersten Erfolg 1979 waren viele Dorfbewohner mit nach Berlin gereist,

1995 wollten ebenso viele die Verleihung miterleben